Wie man mit Rötlinge vertraut wird

INHALT:
Entolomataceae
Entoloma
HABITUS:
Ritterlingsartig
Helmlingsartig
Rüblingsartig
Trichterlingsartig
Seitlingsartig
MIKROMERKMALE:
Sporen und Zystiden
Huthaut
Übergänge zwischen Huthauttypen
Pigmente
Tramastruktur
Schnallen

links:  Methoden /  Klassification /  Neue Arten

EINLEITUNG
Die Variationsbreite der Formen der Entolomataceae ist sehr groß. Siereicht von einem einem kleinen, muschelförmigen Pilzchen auf abgestorbenen Holz bis zu einem Tricholoma-ähnlichem Pilz, der eine Mykorrhiza mit einem großen Baum bildet. Das macht diese Gruppe schwierig und aufregend zugleich. Diese Seite bietet eine Definition der Familie und eine kurze Charakteristik der Gattung. Eine Übersicht der Charakteristika, die für die Gattung und spezifische Abgrenzung gebraucht werden, wird gegeben. Mehr Details zur Einteilung findet man auf der KLASSIFIKATIONSSEITE

ENTOLOMATACEAE

Die Entolomataceae sind durch rosa bis rosa-braune Sporen gekennzeichnet. Sie haben eine spezielle Oberflächenstruktur, die nur mit dem Elektronenmikroskop gesehen werden kann. Die Sporen erscheinen eckig oder warzig unter dem Lichtmikroskop oder haben deutliche längliche Rippen. Die drei wichtigsten Gattungen sind:


Rhodocybe: mit warzigen Sporen
Clitopilus: mit längsgerippten Sporen
and Entoloma: mit eckigen Sporen


RÖTLINGE / ENTOLOMA

Rötlinge haben rosa Blätter und einen rosa bis rosabraunen Sporenabdruck. Die Sporen sind eckig unter dem Mikroskop.

unterseite eines rötlings Sporenabwurf Sporen im mikroskop

HABITUS

tricholomatoid

RITTERLINGSARTIG (TRICHOLOMATOID)
Die Fruchtkörper erinnern an einen Ritterling: Hut und Stiel fleischig; Hut in der Mitte leicht gebuckelt, Blätter etwas ausgebuchtet angeheftet; Stiel relativ fest und zylindrisch oder nach der der Basis etwas verbreitert.

HELMLINGSARTIG (MYCENOID)
Der Fruchtkörper erinnert an einen Helmling: kegelförmig bis glockenförmig, dünnfleischig, schmal angeheftete bis beinahe freie Blätter und ein ziemlich langer dünner Stiel. Der Hut kann glatt sein (wie bei den meisten Arten der Gruppe Nolanea) oder rissig bis schuppig wie bei vielen Arten von Leptonia und Inopilus.

collybioid2

RÜBLINGSARTIG (COLLYBIOID)
Hut konvex, oft leicht niedergedrückt in der Mitte und mit leicht nach innen gerolltem Rand.Blätter angeheftet bis leicht herablaufend; Stiel faserig. Die Hutoberfläche ist glatt ( Sektion Polita) oder schuppig (Leptonia).

TRICHTERLINGSARTIG (OMPHALINOID)
Hut in der Mitte niedergedrückt bis trichterförmig; Blätter herablaufend; Stiel schlank; Hutoberfläche glatt oder faserig bis schuppig.

SEITLINGSARTIG (PLEUROTOID; CREPIDOTOID)
Stiel reduziert, seitlich oder fehlend; Hut meist recht flach und gewellt.

SPOREN UND ZYSTIDEN

SPORNFORM
1. isodiametrisch, 6-eckig. 2. subisodiametrisch, 7-eckig. 3. heterodiametrisch, 6-eckig. 4. sternförmig or kreuzförmig). 5. kuboid. 6. vieleckig oder nodulös

sporenvorm

Mikroaufnahmen der Sporen (© G. Gates & D. Ratkovsky)

A: sternförmig; B: kuboid. C, D, E: isodiametrisch 5-6-eckig

F: heterodiametrisch, 5-eckig, G: heterodiametrisch, 6-eckig, H: heterodiametrisch, (6-)7-eckig, I: vieleckig oder nodulös

FORM DER ZYSTIDEN
1. zylindrisch 2. keulig 3. sphaeropedunculat (gestielt ballonförmig) 4. vesikulös (ballonförmig) 5. fusiform (spindelförmig) 6. lageniform (flaschenförmig) 7. utriform (breit flaschenförmig) 8. lecithiform 9. tibiiform 10. moliniform 11. flexuös 12. mucronat (keulig mit Spitze) 13. rostrat (geschnabelt) 14. capitat (mit Kopf) 15. septiert


HUTHAUT

KUTIS
besteht aus liegenden Hyphen
von links nach rechts: Kutis, ixokutis, Huthaut mit gut entwickelter Subkutis

HUTHAUT AUS LIEGENDEN HYPHEN

Van links naar recht: cutis, ixocutis, hoedhuid met goed ontwikkelde subcutis

HUTHAUT MIT AUFSTEIGENDEN ELEMENTE:

trichoderm ixotrichoderm hymeniderm calliderm

ÜBERGANGSTYPEN:
Übergänge zwischen einer Kutis und einem Trichoderm treten häufig auf

overg.1 overg2 overg3

PIGMENTE DER HUTHAUT

pigmente

PIGMENTE
Pigmente können auf verschiedene Weisen sichtbar sein.
- auf der Hyphenwand als Krusten und Flecken (inkrustiert)
- in den Hyphen, gelöst im Zellsaft oder den Vakuolen (intrazellulär oder vakulolär)
- in der Hyphenwand, sichtbar als gefärbte Wände (parietal)
- merke, daß oft mehrere Pigment-Typen auftreten
---siehe auch die schönen Microphotos von Genevieve Gates---

TRAMASTRUKTUR

Die Struktur des Fleisches (Trama) unterscheidet sich von Gruppe zu Gruppe. Einige Typen:
- eine Struktur von kurzen, zylindrischen bis angeschwollenen Elementen, etwa 30-100 µm lang, oft eingeschnürt an den Septen (Wurstkette). Typisch für die Untergattung Entoloma
- eine Struktur langer spindelförmiger Elemente, 150-300 µm" lang, typisch für die Untergattung Nolanea

SCHNALLEN

Das Vorkommen von Schnallen spielt bei der Einteilung eine große Rolle. Vor allem das Vorhandensein oder Fehlen von Schnallen am Fuß der Basidien ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal. Oft sind Schnallen am Grund reifer Basidien schwer zu erkennen, leichter jedoch am Grund junger Basidien. Reife Basidien mit abgerundetem Grund sind wahrscheinlich schnallenlos, ein Knick oder eine Biegung hingegen deuten darauf hin, daß dort eine Schnalle war.

schnalle schnalle basidia